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Künstler-Portraits
Nico Czaja, Autor PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Heike Hartmann-Heesch   
Thursday, 8. February 2007

Nico Czaja

Autor

 

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Wie bist du zu „deiner Kunst“ gekommen?
Spätestens seitdem ich in der Uni war, habe ich immer mehr oder weniger viel geschrieben – so halbwissenschaftliches, halbjournalistisches, halbliterarisches  Zeug. Anderthalb also insgesamt! Es hat dann einen längeren Arbeitsaufenthalt in einer merkwürdigen Stadt im fernen Ausland gebraucht, wo es mir gar nicht gefiel, da ist genug leere Zeit und Melancholie zusammengekommen, um den Schritt zum Ganzliterarischen zu machen. Der Text, für den ich den Verstärkerpreis bekommen habe, war dann direkt der erste rein Erzählerische, den ich seit Jahren geschrieben hatte. 

Wann hast du deine erste Geschichte/dein erstes Gedicht geschrieben, oder dein erstes Bild gemalt? Kannst du dich an das Thema erinnern?  Gab es einen besonderen Anlass?
s.o.

 Hast du literarische/künstlerische Vorbilder?
Weiß nicht. Ich mag so einige, und man kann bestimmt immer Spuren von denen, die ich gerade lese, in dem wieder finden, was ich gerade schreibe. Das passiert dann aber immer eher aus Versehen, denke ich… man möchte ja immer lieber einzigartig sein. Also, ich jedenfalls. Ein paar Namen, die mir jetzt gerade so einfallen: José Saramago. T.C. Boyle. João Ubaldo Ribeiro. Jonathan Safran Foer. Wolf Haas.  

Welches Buch hast du zuletzt gelesen? (Welchen Film gesehen, welches Theaterstück oder welche Ausstellung besucht?)
Cloud Atlas von David Mitchell. Sehr empfehlenswert. Bekanntes auf so eine originelle Weise kombiniert, dass was total Unvergleichliches dabei rausgekommen ist. 

Hast du schon ein Buch veröffentlicht? Oder deine Werke ausgestellt?

Nö. Im Frühling gibt die Aktion Mensch ein Buch heraus, in dem eine Geschichte von mir drin ist. Aber das war’s auch schon. 

Wie dringend brauchst du Feedback?

Sehr. Für nichts anderes schreibe ich, wenn ich ehrlich bin. Ist nicht so, dass ich schreibe, weil da irgendwelche Sachen ganz dringend aus mir raus müssten. Oder weil ich das Gefühl habe, der Welt irgendwas Wichtiges sagen zu können. Ich käme auch nie auf die Idee, mich als Künstler zu bezeichnen. 

Wenn du dich nicht künstlerisch betätigen dürftest, was würdest du stattdessen tun?
Ähm… mehr Sport treiben? 

Wo arbeitest du? Brauchst du einen „festen“ Platz? Brauchst du bestimmte Rituale, z.B. bevor du  anfängst zu schreiben?
Ich hab scheinbar verlernt, mit der Hand zu schreiben – meine eigene Handschrift nervt mich, das ewige Durchgestreiche auch. Das mache ich nur noch bei Reisetagebüchern oder so. Also brauche ich einen Computer dafür. Und Ruhe. An welchem Ort ist egal.

Kannst du von deiner Kunst  leben? (Wovon lebst du? Wie lebst du?)

Schön wärs. Kann mir keinen besseren Job vorstellen, als fürs Schreiben bezahlt zu werden.

Gibt es Prägungen aus deinem familiären Umfeld, die sich in deinen Werken zeigen? (z.B. bestimmte Personen, die auftauchen, vielleicht auch bestimmte Personen, die deinen künstlerischen Werdegang von Anfang an begleitet haben?)
Nein. 

Was inspiriert dich? (Welche inneren und äußeren Faktoren beeinflussen deine Kreativität positiv oder negativ?

Weiß nicht, vermutlich stimmt das Klischee: Ich schreibe am meisten, wenn es mir schlecht geht. Dann aber eigentlich nur über mich, wenn auch auf Umwegen. Also: Mehr bei schlechter Laune, aber wahrscheinlich besser bei besserer.

 In welchem Kulturkreis bist du aufgewachsen? Inwieweit war das förderlich/hinderlich für deine Kunst?

Kulturkreis Ruhrgebiet. War für meine Kunst egal.

 Welche fünf Adjektive charakterisieren dich überhaupt nicht?
Fleißig. Entschlossen. Konfrontativ. Hochgewachsen. Blond. 

Gibt es drei „Dinge“, die du überhaupt nicht kannst?
Effektiv arbeiten. Entscheidungen treffen. Streiten. 

Welche drei großen Träume möchtest du dir erfüllen?
Ein Buch schreiben natürlich. Ein gutes sollte es sein. Geld verdienen damit. Das wär’ was. Ansonsten: Irgendwann wissen, wo ich hingehöre, und dann da auch bleiben. Ich weiß, das sind nur zwei Träume.  

Hast du ein Lieblingszitat, -spruch, Vers oder Buch,  welches vielleicht zum Wahlspruch, Lebensmotto geworden ist?
Ich lese oft Sätze, von denen ich denke, dass man sie eigentlich zu einem Wahlspruch machen könnte. Dann lese ich weiter und vergesse sie wieder. Also nein.

  Fragen zum Thema „Kunst“(allgemein): 

Was ist für dich Qualität? Gibt es für dich objektive Maßstäbe, um die Qualität von Kunst zu beurteilen?

Interessiert mich nicht so, ehrlich gesagt. Aber meine Ausbildung wie auch meine bescheidene Lebenserfahrung sagen mir, dass es für die Qualität von so gut wie gar nichts objektive Maßstäbe gibt. Meiner Meinung nach also für Kunst schon gar nicht. Meine subjektiven Maßstäbe: Kunst, die mir gefällt, nimmt sich als Kunst nicht zu ernst. Nimmt den Mund nicht zu voll. Praktiziert Selbstironie und schafft es trotzdem, mir in irgendeiner Form etwas mitzuteilen.

 Was fehlt  in der Kunst oder der Kunst?  Was ist deiner Meinung nach das größte Problem des modernen „Kunstbetriebs“?

Keine Ahnung.

 Wie hast du vom Verstärker erfahren? Welche ähnlichen Projekte kennst du?
Ich bin irgendwann mal auf die Mailingliste gerutscht, weil alte Schulfreunde von mir Teil der Verstärker-Gründungstruppe waren. Jahre später hatte ich dann zufällig gerade meine erste richtige kleine Geschichte fertig, als die Ausschreibung für den Wettbewerb bei mir ankam. 

Nico, vielen Dank für dieses Interview!

Heike Hartmann-Heesch
Dr. Sonja Hermann 

© Die Reproduktion des Textes oder auch nur Teilen davon ist nur mit Genehmigung der Urheber gestattet.   

Nico Czaja in kurzen Worten… 
1978 in Witten geboren. 1999 nach Marburg ausgewandert, um dort Ethnologie zu studieren. Zwischendurch ein Jahr in Recife, Brasilien, weiterstudiert, später noch mal in Brasilien gewesen, zum Arbeiten und Forschen. Ende 2005 Studium abgeschlossen. Dann, Überraschung, direkt wieder nach Brasilien, wieder gearbeitet, unglücklich gewesen, mit der Schreiberei angefangen. Seit Sommer 2006 in Hamburg auf der Suche nach diesem und jenem…