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Filmkritiken
"God loves John Wayne" (Filme) PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Heike Hartmann-Heesch   
Wednesday, 14. February 2007

Geschrieben von Dirk Janßen

 

“God loves John Wayne” So lautete die Aufschrift eines Buttons, den die Bewunderer des Schauspielers sich Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre anstecken konnten. Grund für dieses Fan-Outing war die zunehmende Kritik an “Duke”, wie er von seinen Freunden genannt wurde, wegen seines Eintritts für die Nixon-Regierung, seine intolerante Haltung gegenüber Minderheiten und seines Befürwortens des amerikanischen “Engagements” in Vietnam. Die meisten, vielleicht alle, seiner rund 200 Filme zeichnen sich durch eine gewisse Rechtslastigkeit aus, doch muss man bei genauerer Betrachtung zugeben, dass es neben solchen Filmen, die man ohne große Umschweife als Schrott bezeichnen kann – absoluter Tiefpunkt ist “The green Berets” (Die grünen Teufel) von 1968, ein Kriegsfilm, der den Versuch unternimmt, dem amerikanischen Kinopublikum eine positive Einstellung zum Vietnamkrieg zu vermitteln – auch Filme gibt, die man als gut, herausragend und vielleicht sogar als Klassiker bezeichnen darf. Ich möchte hier über die zweite Kategorie schreiben.  
Als Wayne 1938 die Hauptrolle in John Fords “Stagecoach” spielen durfte, bedeutete dies einen Wendepunkt in seiner Schauspielerkarriere. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er schon in 69 Filmen mitgewirkt, bei denen es sich in der Regel um Billigproduktionen handelte (eine interessante Ausnahme mag “The Big Trail” von 1930 sein, der erste abendfüllende Western der frühen Tonfilmära). Bis 1963 entstanden 12 weitere Spielfilme unter Fords Regie, in denen Wayne die Hauptrolle spielte. Besonders hervorzuheben sind u.a. die vier Filme, in denen er  Kavallerieoffiziere darstellte. Der erste entstand 1948: “Fort Apache” ist in gewisser Hinsicht ein Western über das Westerngenre. Der Film streift gegen Ende das Verhältnis von historischen Fakten zur Geschichtsschreibung. Der Offizier, den Wayne spielt, überlebt einen Indianerangriff, bei dem die gesamte Truppe seines Kommandeurs (Henry Fonda) getötet wird. Obgleich der Kommandeur für diese unnötige Niederlage verantwortlich ist, stellt Wayne ihn gegenüber Journalisten nicht bloß und betreibt damit eine Legenden- und Mythenbildung, wie sie für den Westernfilm kennzeichnend ist. Ähnliches kann in Fords “The Man who shot Liberty Valance” (1962) beobachtet werden. James Stewart spielt einen Mann, der durch ein Duell mit dem berüchtigten Verbrecher Liberty Valance (Lee Marvin) zu Ansehen gekommen ist und sogar in das Amt eines US-Senators gewählt wurde. Als Stewart die wahre Geschichte des Duells erzählt – Liberty Valance wurde nicht von ihm, sondern von Tom Doniphon (John Wayne) hinterrücks erschossen – winken seine Zuhörer ab und sagen, dass sie lieber bei der Legende bleiben wollen. In “She wore a yellow Ribbon” (Der Teufelshauptmann, 1949) spielt Wayne einen Hauptmann, der eine Woche vor seiner Pensionierung noch schnell einen Krieg zwischen Weißen und Indianern verhindert. 1950 entsteht “Rio Grande”. Es ist dies die erste Zusammenarbeit zwischen Wayne und Maureen O'Hara, die seine von ihm getrennt lebende Frau spielt. Selbstverständlich finden die beiden zum Schluss wieder zu einander. Der letzte Film dieser Reihe ist “The Horse Soldiers” von 1959 (Der letzte Befehl), der im amerikanischen Bürgerkrieg spielt. Wayne ist hier Befehlshaber einer Reitertruppe, die in von Rebellen kontrolliertes Gebiet vorstößt. Unterwegs muss eine wohlhabende Südstaatenlady als Gefangene mitgenommen werden, um sie davon abzuhalten, die konföderierten Truppen zu alarmieren. Irgendwie funkt es dann zwischen ihr und dem Yankee-Colonel, doch die unguten Zeiten verhindern, dass etwas Ernstes daraus wird. Weitere Filme Waynes unter der Regie von John Ford sind “The long Voyage Home” (1940), “They were expendable” (Schnellboote vor Bataan, 1945), vermutlich der einzige von Waynes Kriegsfilmen, den man sich ansehen kann, “Three Godfathers” (Spuren im Sand, 1949), eine originelle Adaption der Weihnachtsgeschichte für das Westernmilieu, und der über weite Strecken ziemlich düster wirkende Film “The Searchers” (Der schwarze Falke, 1956), der, wie schon einige der älteren Ford-Filme, wieder vor der grandiosen Kulisse des Monument Valley gedreht wurde. Erwähnt werden sollten auch zwei Komödien, die Ford mit Wayne drehte, 1952 “The Quiet Man” (Der Sieger) und 1963 “Donovan's Reef” (Die Hafenkneipe von Tahiti). 
Der andere zentrale Regisseur für John Wayne war Howard Hawks. 1948 verpflichtete dieser den Schauspieler für die Hauptrolle in “Red River”, vielleicht der erste Film überhaupt, in dem Wayne zeigt, dass er über schauspielerisches Talent verfügt. An seiner Seite ist der junge Montgomery Clift in seiner ersten Rolle zu sehen. Merkwürdigerweise ist gerade dieser Klassiker nicht auf DVD zu haben, ein Zustand, der bald geändert werden sollte. “Rio Bravo” entstand 1959, ein Film über eine Männerfreundschaft. Wayne kommt einem dem Alkohol verfallenen Sheriff (Dean Martin) zu Hilfe, um die Stadt von einer Verbrecherbande zu säubern. Acht Jahre später greift Hawks dieses Thema in “El Dorado” erneut auf (den Sheriff spielt hier Robert Mitchum). In der Komödie “Hatari!” spielt Wayne 1962 den Chef einer Gruppe von Männern, die in Afrika damit beauftragt ist, Tiere für amerikanische Zoos einzufangen. Die letzte Zusammenarbeit Hawks/Wayne fand 1970 für “Rio Lobo” statt. Wieder muss eine Stadt von dunklen Elementen befreit werden, diesmal jedoch ohne hilflosen Sheriff.  Die meisten der späten Wayne-Filme sind nicht sehenswert, wie übrigens auch seine einzige eigene Regiearbeit zu “The Alamo”, die den Kampf einiger verwegener Amerikaner für ein von Mexiko unabhängiges Texas thematisiert.
In den sechziger und frühen siebziger Jahren führte Andrew V. McLaglen bei mehreren Filmen Waynes Regie. In allen diesen Filmen ist das Bemühen des Regisseurs spürbar,  John Ford nachzueifern, was ihm jedoch nie gelingt. Ich halte alle seine Filme für schlecht. Dennoch gibt es auch in den späten Jahren Waynes noch ein paar Filme, die anzuschauen sich lohnt. 1967 entsteht unter der Regie von Burt Kennedy “War Waggon” (Die Gewaltigen). Waynes Gegenspieler ist Kirk Douglas. Doch sind beide sich eigentlich viel zu ähnlich, um ernsthaft daran zu denken, den jeweils anderen zu erschießen. Ein herausragender Film ist “True Grit” (Der Marshall, 1969), in dem Wayne wunderbar selbstironisch und selbstparodistisch einen raubeinigen US-Marshall spielt.
Für diese Rolle erhielt er 1970 den Oscar als bester Hauptdarsteller (ironischerweise aus der Hand von Barbara Streisand, die politisch wohl eher zu Hollywoods Ultraliberalen zu zählen ist). Der Versuch, 1975 mit “Rooster Cogburn” (Mit Dynamit und frommen Sprüchen) eine Fortsetzung diese Films zu drehen, muss leider als misslungen bezeichnet werden.
Zu den besseren unter Waynes späten Filmen kann auch “Big Jake” von 1971 gerechnet werden. Wayne spielt darin den reichen Farmer Jacob McCandles, der seinen Enkel aus der Hand von Entführern befreien soll. Dieser Western spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Pferde werden allmählich von Autos abgelöst und einer von Waynes Filmsöhnen braust mit dem Motorrad durch die Gegend. Wieder gibt es schöne Anspielungen auf Waynes Alter: Er benötigt zum Lesen eine Brille und muss, da er nicht mehr so gut trifft, mit einer Schrotflinte schießen. 
Waynes letzter Film, “The Shootist” (Der Scharfschütze) entsteht 1976 unter der Regie von Don Siegel (auf die Frage, ob er noch einen Film mit Wayne machen wolle antwortete Siegel: “Ich bin doch kein Masochist”). Hier spielt er den schwerkranken vom Krebs gezeichneten Revolverhelden J.B. Books, dessen Arzt (James Stewart) ihm rät, statt eines äußerst schmerzhaften Todes durch die Krankheit, lieber den Tod bei einem letzten Showdown suchen. In einem Saloon kommt es zu einer wilden Schießerei, bei der Books seine Gegner tötet, am Ende jedoch selber hinterrücks erschossen wird.  

John Wayne starb drei Jahre nach Fertigstellung seines letzen Films. Vieles an dieser Figur wirkt fragwürdig, doch lässt sich heute, fast dreißig Jahre nach seinem Tod, alles etwas gelassener betrachten (wenngleich man meinen könnte, dass in der derzeitigen US-Regierung viele Wayne-Fans sitzen). Wir müssen John Wayne ja nicht lieben (bekanntlich tut Gott das bereits), aber einige seiner Filme sollten nicht in Vergessenheit geraten.