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Künstler-Portraits
Alex We Hillgemann, Konzertfotografin PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Heike Hartmann-Heesch   
Sunday, 25. February 2007

Alex We Hillgemann

Konzertfotografin

Preisträgerin der Nummer 13 des Verstärkers mit „Vorgarten“  

   

   

 

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Alex We Hillgemann bei der Arbeit hinter der Kamera 
(Foto: Udo Schumpe mit freundlicher Genehmigung)  

Wie bist du zu „deiner Kunst“ gekommen?
Bereits als Kind hat es mich fasziniert, Augenblicke in „Bildern“ festzuhalten.Es ist immer wieder eine Herausforderung, Begebenheiten und Menschen in Bilder zu erfassen, tote Gegenstände lebendig erscheinen zu lassen, damit sie den Rost der Zeit noch ein wenig überstehen. Ein Foto wird allzu oft als "Endprodukt" missverstanden. Doch es bringt auch Begegnungen, Gespräche und Zusammenkünfte mit sich...Da die Musik ebenfalls mein ständiger Begleiter ist, fasziniert mich besonders das Fotografieren von musizierenden Menschen. Denn hier kann ich die Fotografie und die Musik miteinander kombinieren.

Wann hast du deine erste Geschichte/dein erstes Gedicht geschrieben, dein erstes Musikstück komponiert oder dein erstes Bild gemalt? Kannst du dich an das Thema erinnern?  Gab es einen besonderen Anlass?
Das muss etwa im Kindergartenalter gewesen sein ;-) Als Kind habe ich mich sehr für die Tierwelt interessiert und alles nachgemalt (außer Insekten!), was mir vor die Augen kam. Doch irgendwann reichte mir die Geduld nicht aus – und so bekam ich im Alter von 9 Jahren von meiner Großmutter meine erste schlichte Kleinbildkamera geschenkt.  

Hast du literarische/künstlerische Vorbilder?
Anton Corbijn (Photograph) 

Welches Buch hast du zuletzt gelesen? (Welchen Film gesehen, welches Theaterstück oder welche Ausstellung, welches Konzert besucht?)
Buch: „Screaming Life“ (Charles Peterson)Ausstellung: “Kunstkaufhaus Siegburg” (über 50 Künstler unter einem Dach - im Dez. 2006)Konzert: „The New Model Army“ (Dez. 2006 in Köln) 

Hast du schon ein Buch veröffentlicht? Oder deine Werke ausgestellt, öffentlich vorgespielt/musiziert?

2005 Fotoveröffentlichungen etc. in: "Indispensable Eyesores" ... an anthropology of Undesired Buildings by Mélanie van der Hoorn zum Thema "The Elimination of the Kaiserbau in Troisdorf" (ISBN 90-393-3967-8) Jan. 2006 Foto-Dokumentation u. Interviewveröffentlichung im. "focaal" (European Journal of Anthropology - Berghahn Journals New York & Oxford / ISSN 0920 1297) - über die Sprengung des Troisdorfer Kaiserbau Diverse Einzel- u. Gemeinschaftsausstellungen seit 1998 www.auge-und-ohr.de 

Wie dringend brauchst du Feedback?

Darüber kann ich eigentlich nicht klagen ;-) Da ich aber u.a. die Troisdorfer Künstler-gruppe andersARTic! (www.andersartic.de) betreue, leite ich Kontakte regelmäßig und gerne an die dortigen Mitglieder weiter und freue mich im Namen aller, die sich für unser Schaffen interessieren.

 Wenn du dich nicht künstlerisch betätigen dürftest, was würdest du stattdessen tun?
Wahrscheinlich: „sterben“!

Wo arbeitest du? Brauchst du einen „festen“ Platz? Brauchst du bestimmte Rituale, z.B. bevor du  anfängst zu schreiben?
Auf der Straße ;-) ! Bzw. an der Bühne bei Live-Konzerten. Was ich am meisten brauche ist: Zeit! 

Kannst du von deiner Kunst  leben? (Wovon lebst du? Wie lebst du?)

Wenn ich müsste, könnte ich – wenn man dies dem kommerziellen Zwang unserer Gesellschaft zu- bzw. unterordnet! Derzeit genieße ich die Freiheit, das zu fotografieren was ich will – will heißen: ich kann sowohl ja, als auch nein sagen!(Mein Wasser & Brot „verdiene“ ich mir derzeit im Bereich Vertrieb & Marketing.) 

Gibt es Prägungen aus deinem familiären Umfeld, die sich in deinen Werken zeigen? (z.B. bestimmte Personen, die auftauchen, vielleicht auch bestimmte Personen, die deinen künstlerischen Werdegang von Anfang an begleitet haben?)
Mein Großvater war blind! Das war für mich als Kind ein unvorstellbarer Zustand. Er zeigte mir seinerzeit alte Kriegsfotos aus dem 2. Weltkrieg – an die er sich nur noch als junger Mann erinnern konnte, bevor er später sein Augenlicht verlor. Ich glaube, das war der Moment, der in mir den Wunsch wachrief, zu fotografieren bzw. Augenblicke in Bildern festzuhalten.Später lernte ich meinen Fotomentor kennen, dieser verstarb einige Jahre nach unserer ersten Begegnung plötzlich durch Krankheit. An diese beiden Menschen denke ich oft beim Fotografieren... 

Was inspiriert dich? (Welche inneren und äußeren Faktoren beeinflussen deine Kreativität positiv oder negativ?)
Positiv: andere Künstler aus meinem Umfeld im Bereich der Musik und Fotografie sowie mein Lebenspartner (Gitarrist). Negativ: der Konsumzwang unserer Gesellschaft, der Verlust der „menschlichen Werte“ 

In welchem Kulturkreis bist du aufgewachsen? Inwieweit war das förderlich/hinderlich für deine Kunst?
Meine Eltern waren in Sachen Malerei (Zeichnungen u.ä.) sehr begabt, konnten jedoch durch familiäre Umstände der späteren 40er / 50er Jahre etc. ihre Kreativität nicht ausleben. Durch meine künstlerische Tätigkeit hoffe ich, ihnen etwas zurückgeben zu können, was sie selbst nie oder nur sehr wenig haben konnten. Mein Vater liebte zudem die Musik und dieser Funke ist schon in früher Kindheit auf mich übergesprungen. 

Welche fünf Adjektive charakterisieren dich überhaupt nicht?
egoistisch, faul, geizig, neidisch, unzuverlässig 

Gibt es drei „Dinge“, die du überhaupt nicht kannst?
Vorträge in der Öffentlichkeit halten ;-)Fliegen (wie ein Vogel ;-)Krank im Bett liegen (das halte ich i.d.R. keine 2 Stunden aus ...) 

Welche drei großen Träume möchtest du dir erfüllen?

Genügend Zeit zum Fotografieren zu „besitzen“ ...Ein Atelier zusammen mit der Künstlergruppe andersARTic!Eine Konzerttournee mit einer bekannten Band (welche, wird nicht verraten ;-) 

Hast du ein Lieblingszitat, -spruch, Vers oder Buch,  welches vielleicht

zum Wahlspruch, Lebensmotto geworden ist?

“Viele Tropfen füllen einen Eimer!“

 Fragen zum Thema „Kunst“(allgemein): 
Was ist für dich Qualität? Gibt es für dich objektive Maßstäbe, um die Qualität von Kunst zu beurteilen?
Da gilt für mich die alt bekannte Regel: Kunst ist, was gefällt! Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten... 

Was fehlt in der Kunst oder der Kunst?  Was ist deiner Meinung nach das größte Problem des modernen „Kunstbetriebs“?
Dass soziales Engagement verloren geht ... Die Kunst ist ein hervorragendes Mittel, um auf soziale Missstände unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen... 

Wie hast du vom Verstärker erfahren? Welche ähnlichen Projekte kennst du?
Durch einen Besuch in Berlin vor einigen Jahren. Hier im Rhein-Sieg-Kreis gibt es ähnliche Projekte in allen künstlerischen Bereichen.  

Liebe Alex, vielen Dank für dieses Interview!

 Heike Hartmann-Heesch
Dr. Sonja Hermann  
© Die Reproduktion des Textes oder auch nur Teilen davon ist nur mit Genehmigung der Urheber gestattet.  

Alex We Hillgemann

 

- Fotografie auf autodidaktischem Wege seit meiner Kindheit.

- 1984 Praktikum bei der DLR (Deutsche Luft- und Raumfahrt) als Fotoassistentin und -laborantin.

- Teilnahme an diversen Workshops.

- Seit 1997 intensive Auseinandersetzung mit der Konzert- und Eventfotografie.

- Seit 1998 diverse Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen sowie Projekte in Siegburg u.

  Troisdorf etc.

- Fotodokumentationen von Live-Konzerten und Festivals etc. für JAMproductions

  (Event-Management) etc. 1999 - 2005.

- Seit 2002 Zusammenarbeit mit den Künstlern Francis Hall (Grafik & Malerei), A.N.E.

  (Plastikskulpturen & Installationen) , Sven Axer (Gitarrist, WALKONINDIGO-Projekt etc.),

  FABIAN (Videokunst) u.a.

- 2003 Gründung der Künstlergruppe andersARTic! Troisdorf (Infos: www.andersartic.de)

- Dez. 2004 Gründungsmitglied der ARTfactory Troisdorf e.V.

- 2005 Fotoveröffentlichungen etc. in "Indispensable Eyesores" ... an anthropology of Undesired Buildings by Mélanie van der Hoorn zum Thema "The Elimination of the Kaiserbau in Troisdorf"  

- Nov. 2005 Ausstellung mit der Künstlergruppe andersARTic! im Kunstkaufhaus Siegburg

- Dez. 2005 kreative und organisatorische Unterstützung des LIVE AIDS BENEFIT im CVJM Siegburg

- Jan. 2006 Foto-Dokumentation u. Interviewveröffentlichung im "focaal" (European Journal of  Anthropology - Berghahn Journals New York & Oxford / ISSN 0920 1297) - über die Sprengung  des Troisdorfer Kaiserbau

- März 2006 Live-Interview Center.TV Köln:  Einblicke in das Schaffen der Künstlergruppe

  andersARTic!

- Seit Mai 2006 künstlerische und organisatorische Unterstützung der ARTfactory Troisdorf e.V.

- Juli 2006 fotografische Begegnung mit einem Hamburger sowie Pommes und Schnitzel ;-) etc. für  ein großformatiges C..aC..a*-Werbedisplay

  * das beliebte schwarze antialkoholische Getränk ;-)

- seit Jan. 2007 Vorbereitung für die Ausstellung  „TroMoSomen“ der Künstlergruppe andersARTic! für Dez. 2007im Rathaus Troisdorf sowie weitere Projekte

 

Kontakt: www.auge-und-ohr.de / Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst (Tel. 02241-67124)