Die aktuelle Ausgabe    
des Verstärkers -    
Auszüge jetzt    

hier!    
Künstler-Portraits
Thomas Steiner PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 7
SchlechtSehr gut 
Geschrieben von Heike Hartmann-Heesch   
Sunday, 22. July 2007
Autoren:
Dr. Sonja Hermann
Heike Hartmann-Heesch
Thomas Steiner
Autor


Preisträger (3) der Nr. 15 des Verstärkers mit „Die Menschen und die Paprika“

foto_steiner.jpg


Wie bist du zu „deiner Kunst“ gekommen?

Durch Lesen und Interesse an der Sache. Speziell dann durch die Zeit, die ich plötzlich dafür hatte (siehe unten).


Wann hast du deine erste Geschichte/dein erstes Gedicht geschrieben, dein erstes Musikstück komponiert oder dein erstes Bild gemalt? Kannst du dich an das Thema erinnern? Gab es einen besonderen Anlass?

Das weiß ich sogar sehr genau: im September 2003. Nach einem Unfall hatte ich viel Zeit zu Hause und habe, kaum aus dem Krankenhaus zurück, mit dem Schreiben begonnen. Mein erstes veröffentlichtes Gedicht war ein Haiku. Die ersten Kurzgeschichten waren ziemlich makaber und sind zum Glück nirgendwo gedruckt worden (obwohl ich sie alle ganz selbstbewusst da und dort eingereicht habe).


Hast du literarische/künstlerische Vorbilder?

Davon halte mich mit Absicht frei. Außerdem ändern sich meine Vorlieben immer wieder: wer mit heute gefällt, kann mir morgen ein Gräuel sein, und umgekehrt.


Welches Buch hast du zuletzt gelesen? (Welchen Film gesehen, welches Theaterstück oder welche Ausstellung, welches Konzert besucht?)

Buch: Herz der Finsternis von Joseph Conrad, die Bandini-Bücher von John Fante, Naked Lunch von William Burroughs (man sieht, ich habe gerade eine anglophile Phase; das war auch schon anders); Gedichtbände von Georg Trakl, Sergei Jessenin, Friederike Mayröcker, Norbert C. Kaser und Nico Bleutge (nach zunehmendem Geburtsjahr geordnet). Theaterstück: Bernarda Albas Haus. Ausstellung: die Fossilien in Holzmaden. Film: Krimi im Fernsehen.


Hast du schon ein Buch veröffentlicht? Oder deine Werke ausgestellt, öffentlich vorgespielt/musiziert?

Würde ich gerne. Mal sehen.


Wie dringend brauchst du Feedback?

Ziemlich dringend. Ich kann meine eigenen Texte nur schwer beurteilen (das geht wohl vielen so). Was ich davon halte weiß ich erst, wenn ich sehe, was davon veröffentlicht wird und von wem, und wenn ich wenigstens ab und zu von Lesern (oder Zuhörern) höre, was sie davon denken. Wenn das alles fehlt, geht nichts weiter.


Wenn du dich nicht künstlerisch betätigen dürftest, was würdest du stattdessen tun?

Mehr lesen, wie schon gehabt.


Wo arbeitest du? Brauchst du einen „festen“ Platz? Brauchst du bestimmte Rituale, z.B. bevor du anfängst zu schreiben?

Ich arbeite zu Hause am Schreibtisch, nur selten unterwegs mit einem Notizblock. Rituale oder ähnliches brauche ich nicht, dafür hätte ich auch weder die Zeit noch den Geist.


Kannst du von deiner Kunst leben? (Wovon lebst du? Wie lebst du?)

Von Gedichten leben? Geht sowieso nicht. Ich arbeite als Übersetzer. Ich bewundere aber Autoren, die von ihrer Arbeit leben können, ohne sich mit Haut und Haaren zu verkaufen.



Gibt es Prägungen aus deinem familiären Umfeld, die sich in deinen Werken zeigen? (z.B. bestimmte Personen, die auftauchen, vielleicht auch bestimmte Personen, die deinen künstlerischen Werdegang von Anfang an begleitet haben?)

Nicht dass ich wüsste.


Was inspiriert dich? (Welche inneren und äußeren Faktoren beeinflussen deine Kreativität positiv oder negativ?)

Ich nehme an: das tägliche Leben. Eindrücke sammeln. Alles mögliche lesen (kreuz und quer durcheinander). Den Mond und das Wasser, die Krähen in den Feldern und die Elstern in den Bäumen anschauen. Hinderlich sind Lärm und so weiter.


In welchem Kulturkreis bist du aufgewachsen? Inwieweit war das förderlich/hinderlich für deine Kunst?

Tiroler Provinz mit prägendem Einfluss. Später (als Erwachsener) die Steiermark, 14 Jahre Berlin, die Oberpfalz sowie allerhand kürzere und längere Aufenthalte in den Niederlanden, Israel und Indien, was man ruhig dem „Aufwachsen“ im kulturellen Sinn zurechnen kann.


Welche fünf Adjektive charakterisieren dich überhaupt nicht?

Oh Gott, das ist mir jetzt zu analytisch.


Gibt es drei „Dinge“, die du überhaupt nicht kannst?

Fußball spielen, singen, Hunde mögen.


Welche drei großen Träume möchtest du dir erfüllen?

Solche Überlegungen habe ich mir abgewöhnt. Ich schaue einfach, was geht.


Hast du ein Lieblingszitat, -spruch, Vers oder Buch, welches vielleicht zum Wahlspruch, Lebensmotto geworden ist?

Nein.



Fragen zum Thema „Kunst“ (allgemein):

Was ist für dich Qualität? Gibt es für dich objektive Maßstäbe, um die Qualität von Kunst zu beurteilen?

Gibt es für mich nicht. Ich urteile nach meinem naiven persönlichen Geschmack und halte es dabei ein wenig mit Kandinsky: „Kunst ist, was aus einer inneren Notwendigkeit entsteht“ (oder so ähnlich; den genauen Wortlaut habe ich vergessen). Zu einer für mich guten Qualität gehört allerdings (neben der notwendigen Technik) eine ganze Menge Originalität, das Werk sollte also von anderen Werken unterscheidbar sein. Und der Künstler sollte von anderen unterscheidbar sein.


Was fehlt in der Kunst oder der Kunst? Was ist deiner Meinung nach das größte Problem des modernen „Kunstbetriebs“?

Darüber mache ich mir, ehrlich gesagt, nicht viele Gedanken.


Wie hast du vom Verstärker erfahren? Welche ähnlichen Projekte kennst du?
Durch Stöbern im Internet, ich weiß nicht mehr über welche Links. Nichtkommerzielle Literaturzeitschriften kenne ich mittlerweile eine ganze Menge. Alle Achtung vor dieser Arbeit!



Thomas, vielen Dank für dieses Interview!

Heike Hartmann-Heesch
Dr. Sonja Hermann

© Die Reproduktion des Textes oder auch nur Teilen davon ist nur mit Genehmigung der Urheber gestattet.





Kurzbiographie: geboren 1961 bei Reutte/Tirol, dort aufgewachsen, Studium in Graz, lebte dann in Berlin, in der Oberpfalz und gegenwärtig in Neu-Ulm (wer’s nicht weiß: das liegt im bayrischen Schwaben an der Donau), daneben längere berufliche Aufenthalte in den Nieder-landen, Israel und Indien. Mittlerweile eine größere Anzahl von Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien. Einige kleine Preise (z. B. der 3. Verstärkerpreis im Juni 06).