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Künstler-Portraits
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Geschrieben von Heike Hartmann-Heesch   
Tuesday, 9. October 2007
Autoren:
Dr. Sonja Hermann
Heike Hartmann-Heesch
Thomas Schafferer
Schriftsteller, Maler, Konzeptkünstler


ThomasSchafferer.jp



Wie bist du zu „deiner Kunst“ gekommen?

Aus der Lust heraus, mich mit gewissen Themen künstlerisch auseinanderzusetzen und dies kontinuierlich über die Jahre hinweg. Gefördert von kreativen Lehrern und offenen Menschen, die mir gezeigt haben, dass es alternative Wege abseits der Herdenwanderungen gibt.


Wann hast du deine erste Geschichte/dein erstes Gedicht geschrieben, dein erstes Musikstück komponiert oder dein erstes Bild gemalt? Kannst du dich an das Thema erinnern? Gab es einen besonderen Anlass?

Die ersten Bilder entstanden ca. 1987, also vor und während der Reifeprüfung (sehr viele Collagen zu gesellschaftspolit. Themen), die ersten Gedichte zu Beginn des Studiums, wo ich von einem auf den anderen Moment in einer Nacht den Gedichtband „1992: sarkasmus, humor oder cavi 1992“ über eine Reise nach Ligurien verfasst habe. Warum, weiß ich in beiden Fällen nicht. Seither habe ich aber mit beiden Dingen nicht mehr aufgehört. Hinzugekommen sind Performances, Lesungen, Konzeptkunst, Ausstellungen usw.


Hast du literarische/künstlerische Vorbilder?

Witzigerweise weniger aus meinen Bereichen (Literatur, Malerei usw.) sondern vorwiegend aus dem Musikbereich stammen die Vorbilder bzw. sagen wir es besser, die großen Inspirationsquellenlieferanten: Büne Huber (Band Patent Ochsner), Max Gazzè, Noir Desire usw. usw.


Welches Buch hast du zuletzt gelesen? (Welchen Film gesehen, welches Theaterstück oder welche Ausstellung, welches Konzert besucht?)

Buch: Gertrud Pfaundler-Spat : Tirol-Lexikon über Menschen und Orte des Bundeslandes Tirol / Film: Julie Delpy : 2 Tage Paris (2007) / Theaterstück: Theater Melone Innsbruck : Systemhäschen / Ausstellung: Kunsthaus Zürich : Peter Fischli und David Weiss. Fragen & Blumen.


Hast du schon ein Buch veröffentlicht? Oder deine Werke ausgestellt, öffentlich vorgespielt/musiziert?

5 offizielle und 10 inoffizielle Gedichtbände seit 1992. Textbeiträge in 16 Anthologien seit 1996. Zahlreiche literarische oder andere künstlerische Beiträge in Literaturzeitschriften, Kalendern bzw. auf CD/DVD/LP/Audio- und Videokassette. Zahlreiche Ausstellungen, Lesungen oder andere künstlerische Projekte in rund 12 europäischen Ländern.


Wie dringend brauchst du Feedback?

Sehr dringend, da ich selbst immer unsicher bin hinsichtlich der Qualität meiner Werke. Das Feedback sollte aber immer konstruktiv und wohlwollend trotz möglicher Kritikpunkte sein, aber niemals zynisch.


Wenn du dich nicht künstlerisch betätigen dürftest, was würdest du stattdessen tun?

Keine Ahnung? Fußballspielen?


Wo arbeitest du? Brauchst du einen „festen“ Platz? Brauchst du bestimmte Rituale, z.B. bevor du anfängst zu schreiben?

Arbeite, da ich viel unterwegs (=Reisen/Stipendien) bin, fast überall, wo es nur geht (im Zug, Flugzeug, Schiff), aber zunehmend geht mir das auf den Geist. Brauche das gewohnte, beständige Umfeld (Menschen, Orte, Tasse Kaffee und Glas Wasser, Musik) sehr, um gelassen und entspannt zu arbeiten.


Kannst du von deiner Kunst leben? (Wovon lebst du? Wie lebst du?)

Seit 2004 (da erhielt ich den 1. Arthur-Haidl-Preis der Stadt Innsbruck in der Höhe von 9.000.- €, was diesen Schritt ermöglichte) arbeite ich als freischaffender Autor bzw. Künstler. Ich lebe von Stipendien, Auftritten, Verkäufen usw., kann mich damit aber auch nur irgendwie über Wasser halten. Könnte mir z.B. keine Miete und kaum die Sozialversicherung leisten, wenn ich sie nicht momentan gesponsert bekommen würde.



Gibt es Prägungen aus deinem familiären Umfeld, die sich in deinen Werken zeigen? (z.B. bestimmte Personen, die auftauchen, vielleicht auch bestimmte Personen, die deinen künstlerischen Werdegang von Anfang an begleitet haben?)

Beharrliches, konsequentes Arbeiten über einen längeren Zeitraum, gepaart mit kreativen Lösungsvorschlägen und einer liebevollen Grundhaltung, kommt aus meiner Familie. Natürlich tauchen alle Mitglieder meiner Familie oder andere WegbegleiterInnen irgendwann irgendwo inhaltlich in meinen Werken abstrakt oder konkret auf.


Was inspiriert dich? (Welche inneren und äußeren Faktoren beeinflussen deine Kreativität positiv oder negativ?)

Vor allem Musik inspiriert mich, aber auch Ausstellungen, Filme oder andere künstlerische Werke. Stress und stressige Situationen blockieren alles, genauso wie Termindruck und die Abhängigkeit von Personen. Positiv empfinde ich finanzielle Unabhängigkeit und genügend zeitliche Ressourcen. Dann kann ich kreativ sein.


In welchem Kulturkreis bist du aufgewachsen? Inwieweit war das förderlich/hinderlich für deine Kunst?

Bin aufgewachsen in einem Tiroler Dorf (eigentlich 3 zusammengewachsene Dörfer mit rund 3500 Einwohnern) auf 1000 Meter Seehöhe. Durch jene künstlerischen Dinge, die ich immer gemacht habe, war ich im positiven Sinn ein Außenseiter bzw. auch was Besonderes. Insofern konnte ich immer machen was ich wollte – da ich immer schon den Stempel „Der Künstler“ aufgedrückt hatte. Das war sehr bequem, allerdings fehlten mir dadurch Menschen, mit denen ich mich künstlerisch austauschen konnte.


Welche fünf Adjektive charakterisieren dich überhaupt nicht?

Langweilig, langsam, unehrlich, humorlos, apathisch.


Gibt es drei „Dinge“, die du überhaupt nicht kannst?

Russisch, Schach und Töten.


Welche drei großen Träume möchtest du dir erfüllen?

Gesund bleiben, zufrieden bleiben und die Menschen, die ich liebe (und die mich lieben) um mich haben.


Hast du ein Lieblingszitat, -spruch, Vers oder Buch, welches vielleicht zum Wahlspruch, Lebensmotto geworden ist?

Ich bin nicht groß, ich bin nicht klein, ich bin ein Durchschnittsschwein. (Th. Schafferer, 2003)



Fragen zum Thema „Kunst“ (allgemein):

Was ist für dich Qualität? Gibt es für dich objektive Maßstäbe, um die Qualität von Kunst zu beurteilen?

Eine schwierige Frage. Ich kann sie nur aus meiner subjektiven Perspektive ;-) beantworten: Kunst ist immer subjektiv. Maßstäbe für die formale Qualität (also das Handwerk) sind natürlich (von Sparte zu Sparte verschieden, aber) vorhanden, was zählt, sind der kreative, unkonventionelle Umgang mit diesem Handwerk bzw. das, was der/die KünstlerIn damit inhaltlich ausdrücken will. Und daraus folgere ich als Rezipient: Inspiriert oder berührt mich dieses Werk, wird also mein Hirn oder Herz berührt? Tut sich irgendwas in mir oder gehe ich unbeseelt, unberührt weiter? Darum geht es…


Was fehlt in der Kunst oder der Kunst? Was ist deiner Meinung nach das größte Problem des modernen „Kunstbetriebs“?

Das größte Problem ist die große Masse der künstlerischen Werke (jeder Sparte) und die kompromisslose Vermarktung derselbigen. Zugleich mangelt es an Öffentlichkeit, um wirklich aus der Masse hervorzustechen und nachhaltig wahrgenommen zu werden.


Wie hast du vom Verstärker erfahren? Welche ähnlichen Projekte kennst du?
Habe via Ausschreibung auf www.uschtrin.de vom Verstärker erfahren, wo man übrigens auch noch viele andere, ähnliche Projekte aufgelistet findet, wie etwa auch Cognac & Biskotten, das Tiroler Literaturmagazin – siehe www.cobi.at – das von mir und meinem Verein herausgegeben wird ;-)



Thomas, vielen Dank für dieses Interview!

Heike Hartmann-Heesch
Dr. Sonja Hermann

© Die Reproduktion des Textes oder auch nur Teilen davon ist nur mit Genehmigung der Urheber gestattet.


1973 in Innsbruck geboren. Studium Politikwissenschaft/Journalismus. Schriftsteller, Maler, Konzeptkünstler, Kreativkopf des polymorphen Tiroler Literaturmagazins Cognac & Biskotten – www.cobi.at, 1. Arthur-Haidl-Preisträger der Stadt Innsbruck 2004, Stipendien (A, I und CH), Stürmer und bisher 13-facher Torschütze (nach 5 Spielen) im Ö. Literaturnationalteam. Bücher/Auswahl: „suedesland. 129 griechische Impressionen“ Gedichte 2007 edition nove, Neckenmarkt. Lebt in Innsbruck und Pfons / Österreich. Web: www.schafferer.net