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Buch: Der Rattenfänger PDF Drucken E-Mail
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SchlechtSehr gut 
Geschrieben von Karsten Mekelburg   
Tuesday, 15. January 2008

Seht euch nur diese Lügenbolde an! Wie gedruckt wird da etwas zusammengelogen, was weder Hand noch Fuß hat. Seht, wie sie sich blähen vor lauter Stolz, wenn sie ihre Bücher präsentieren! Diese Kinder von Betrug und Täuschung. Seht wie sie sich zufrieden auf die Brust klopfen, diese selbst ernannten Literaten! Was bin ich nur für ein brillianter Lügner! Münchhausen war der reinste Wahrsager gegen mich. Sie können gar nicht anders. Die Muse und die Phantasie haben sie genotzüchtigt, so lange und so heftig, bis dieser Bastard gezeugt wurde. So ist es guter alter Brauch in der Literatur. Man weiß das, macht aber nicht viel Worte darum.

cover_rattenfnger_kl.jpgAber es gibt sie, die raren Ausnahmen dieser eisernen Regel. Das Buch "Der Rattenfänger", das ich vorstellen möchte, ist eine davon. Die Autorin, Heike Hartmann-Heesch, die damit ihr drittes Werk präsentiert, ist sich treu geblieben. Sie klatscht uns ihre Wahrheiten nur so um die Ohren. Es bleibt einem das Herz stehen.

Ist das nicht ein wenig viel des Guten? Kann man es nicht auch mit der Ehrlichkeit übertreiben? Hat man sich als braver Leser nicht etwas Schonung verdient?

Dennoch: Das ist packend zu lesen. Man schwankt zwischen Berührtheit und Abscheu, kalt läßt es einem in keinem Falle. Man muss sich auf soetwas einlassen. Ist man dazu bereit, wird man mit Geschichten belohnt, die nichts Erdachtes und Erlogenes, nichts Künstliches und Aufgeblähtes an sich haben. Es ist fast so, als säße da ein guter Freund neben uns auf dem Sofa und schüttet uns sein Herz aus. Man hat den Eindruck, dass nichts erfunden wurde, sondern dass die Autorin das Beschriebene selbst durchlebt hat. Soviel Ehrlichkeit, solche Innerlichkeit und Offenheit dem Leser gegenüber ist selten. Es ist ein kleines Buch für stille Stunden am Kamin, die die notwendige Muße bieten, sich Gedanken über das Gelesene zu machen. Die Geschichten sind es wert, darüber zu philosophieren.

In manchen kann man sich sogar selbst wiedererkennen. Sicher scheint immer wieder eine leichte Melancholie in den Geschichten durch. Doch wenn wir einmal ehrlich sind, so bietet das Leben doch etwas mehr an Saurem als an Süßen. Etwas Trauerflor ist somit leicht erklärlich und auch weiter nicht verwerflich, weil immer wieder die Haltung des tapferen sich Wiederhochrappelns zum Tragen kommt. 

Ebenfalls finden wird man ein Deutsch, das sich geschliffen hat. Dies sollte zwar für alle Literaten Pflicht sein, ist es aber lange schon nicht mehr. Hier ist die Sprache selbst ein kostbares Kleinod, durch ihre Benutzung im Buch herausgehoben aus dem Alltäglichen. Wer Deutsch mag, dem wird auch das gefallen.

Kurz und gut, wer mal etwas Besseres sucht als leicht verdaulichen Flachsinn, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt. Leseprobe unter www.papiersinfonie.de

Heike Hartmann-Heesch
Der Rattenfänger und andere Grenzgänge
Mohland Verlag ISBN 978-3-86675-047-0