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Künstler-Portraits
Wendelin August Mayer PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von Heike Hartmann-Heesch   
Tuesday, 27. May 2008
Wendelin August Mayer
Autor
Preisträger aus Verstärker Version 20 mit „Seekrank“
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Wie bist du zu „deiner Kunst“ gekommen?

Seit ich schreiben und lesen kann, hat das Medium Text alle anderen Medien verdrängt. Ich kann auch nicht besonders gut malen und halte mich auch nicht für sonderlich musikalisch. Wieso ich angefangen habe zu schreiben, weiß ich nicht mehr, ich glaube, es war wohl in der Art, wie mehr oder minder jedes Kind das einmal ausprobiert, wenn es im frühen Grundschulalter ist.


Wann hast du deine erste Geschichte/dein erstes Gedicht geschrieben, dein erstes Musikstück komponiert oder dein erstes Bild gemalt? Kannst du dich an das Thema erinnern? Gab es einen besonderen Anlass?

Ein zumindest sehr frühes Projekt von mir, das mir nicht zuletzt auch deswegen in Erinnerung geblieben ist, weil es dann trotz seines für mich damals immensen Umfangs fertig gestellt wurde, ist ein Buch, das aus Fortsetzungen besteht, 366, eine für jeden Tag des (Schalt-)Jahrs. Es enthielt Kriminalgeschichten über eine Bande von Kinderdetektiven, wie ich sie damals im Grundschulalter eben selber las. Anlass war wohl, dass ich es meiner kleinen Schwester als eine Art Abreißkalender zu Weihnachten o.ä. schenken wollte. Dazu ist es dann aber nicht gekommen.


Hast du literarische/künstlerische Vorbilder?

Ich lese gerne Texte von Kafka, Orwell, Shakespeare. Ob sie literarische Vorbilder von mir sind, weiß ich nicht, ich eifere ihnen nicht nach, aber ich bilde an den Texten von ihnen meine Begriffe von Qualität und Stil.


Welches Buch hast du zuletzt gelesen? (Welchen Film gesehen, welches Theaterstück oder welche Ausstellung, welches Konzert besucht?)

Zurzeit lese ich zwei Bücher, den Don Quijote und „Adler und Engel“ von Juli Zeh. Der letzte Film, den ich gesehen habe, ist „Lost Highway“ vom Regisseur David Lynch. Das letzte Theaterstück war Goethes „Clavigo“, als letztes war ich in Berlin in den Ausstellungen „Mythos Germania“ (über das NS-Berlin) und in einer Ausstellung über Messingskulpturen aus Benin.


Hast du schon ein Buch veröffentlicht? Oder deine Werke ausgestellt, öffentlich vorgespielt/musiziert?

Nein, ich habe keine eigenständige Publikation veröffentlicht, aber bereits Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht und vorgelesen.


Wie dringend brauchst du Feedback?

Ich glaube, dringender als ich es mir vorstellen will; es ist aber von der Stimmung abhängig, weil ich oftmals das Selbstbewusstsein selber aufbringe, meine Werke zu beurteilen. Vor allem für ältere Werke gilt das, bei neueren bin ich oft auf der Suche nach den Urteilen anderer, weil ich mir noch nicht zutraue, sie objektiv zu beurteilen.


Wenn du dich nicht künstlerisch betätigen dürftest, was würdest du stattdessen tun?

Ich würde wahrscheinlich handwerklich arbeiten, als Schreiner oder als Chirurg oder etwas in dieser Richtung.


Wo arbeitest du? Brauchst du einen „festen“ Platz? Brauchst du bestimmte Rituale, z.B. bevor du anfängst zu schreiben?

Ich arbeite in der Regel an meinem Schreibtisch, kann aber auch an anderen Orten arbeiten. Ich brauche allerdings ein Zimmer, das ruhig ist, wobei nicht die Lautstärke so wichtig ist, sondern vielmehr, dass mich niemand stört. Deswegen schalte ich auch immer das Handy ab, bevor ich schreibe. Meistens schreibe ich an meinem Laptop, aber ich habe früher auch viel von Hand geschrieben, was ich heute auch noch tue, sofern es nötig ist. Bestimmte Rituale kenne ich eigentlich nicht, aber oft gehe ich, bevor ich anfange zu schreiben, spazieren, um von den Gedanken des Tages Abstand zu bekommen. Ich schreibe so gut wie ausschließlich nachts, d.h. ich fange gegen elf oder zwölf Uhr abends an. Vorher kann ich nicht gut schreiben, vielleicht liegt es daran, dass es draußen hell ist oder dass die Mehrheit der anderen noch wach ist.


Gibt es Prägungen aus deinem familiären Umfeld, die sich in deinen Werken zeigen? (z.B. bestimmte Personen, die auftauchen, vielleicht auch bestimmte Personen, die deinen künstlerischen Werdegang von Anfang an begleitet haben?)

Nein, ich glaube aber, dass es an mir selber liegt, weil ich versuche, mit meinem Schreiben eigenständig zu sein und fremde Einflüsse, sobald ich sie erkenne, als „nicht-ursprünglich-ich“ eliminiere. Überhaupt ist das, was ich schreibe, recht losgelöst von meinem Leben (sonst wäre das, was ich schreibe, auch verhältnismäßig langweilig), bestimmte Personen tauchen darin nicht auf.


Was inspiriert dich? (Welche inneren und äußeren Faktoren beeinflussen deine Kreativität positiv oder negativ?)

Welche Faktoren meine Kreativität beeinflussen, würde ich auch gerne wissen. Aber es sind ganz verschiedene Situationen, in denen ich Ideen habe. Was mich inspiriert, ist oft die Wirklichkeit, d.h. Situationen, skurrile Sachverhalte usf., die mich in irgendeiner Weise faszinieren, weil sie eben nicht alltäglich sind, aber auf eine stillere Art spektakulär als das, was offen zu Tage liegt. Dann gibt es aber auch wieder Worte, die mich faszinieren, Bezeichnungen der Techniksprache, Zynismen, Fremdsprachen und anderes mehr. Zuletzt gibt es von der Wirklichkeit gelöste Vorstellungen, die oft von einem Sachverhalt der Wirklichkeit ausgehen und die ich auszugestalten, weiterzuführen und zu übertreiben Spaß habe.



Welche fünf Adjektive charakterisieren dich überhaupt nicht?

Gesellig, redselig, leichtfertig, gewissenlos, demütig.


Gibt es drei „Dinge“, die du überhaupt nicht kannst?

Kritik ertragen, Beleidigungen einstecken, Niederlagen verarbeiten.


Welche drei großen Träume möchtest du dir erfüllen?

Eigentlich möchte ich nur mit meinem Leben zufrieden sein, bevor ich sterbe. Es gibt keine konkreten Vorstellungen (der Form: ein Haus mit Garten, zwei Autos, eine Frau, drei Kinder und einen Hund), die ich unbedingt verwirklicht haben will.


Hast du ein Lieblingszitat, -spruch, Vers oder Buch, welches vielleicht zum Wahlspruch, Lebensmotto geworden ist?

Gerne zitiere ich bei solchen Gelegenheiten aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth den siebten Vers aus dem siebten Kapitel (1 Kor 7, 7): „Ich wünschte aber, alle Menschen wären wie ich.“ Wenn ich aber ehrlich bin, muss ich zugeben, dass sich kein vernünftiger Mensch das an meiner Stelle wünschen kann. Deswegen ist es vielleicht besser, hier eine Stelle aus einem Roman von Karl May (Old Surehand Band I) wiederzugeben, die ich nicht mehr wörtlich im Kopf habe, die mich aber damals, als ich sie las, im Alter von zwölf-fünfzehn Jahren, sehr prägte; auch wenn ich meine, mittlerweile über diese Art von naivem Pietismus (zudem bin ich katholisch) hinaus zu sein, übt die darin enthaltene Geisteshaltung doch noch eine ziemlich starke Macht über mich aus. Die Stelle ist einem Gespräch von Old Shatterhand, bekanntlich dem Alter Ego Karl Mays, mit einem anderen „Westmann“, ich glaube, Old Surehand (oder Old Wabble) entnommen. Old Shatterhand (der moralisch Unantastbare) sagt darin, dass er stolz darauf ist, sich über jede Stunde seines Lebens Rechenschaft vor sich selber ablegen zu können.



Fragen zum Thema „Kunst“ (allgemein):

Was ist für dich Qualität? Gibt es für dich objektive Maßstäbe, um die Qualität von Kunst zu beurteilen?

Qualität kann man wohl nicht über eine einzige Komponente definieren; eine Art von Qualität, die insbesondere ich selbst anstrebe, ist, Menschen nachhaltig zu berühren. Das ist dann vielleicht statistisch objektivierbar, aber natürlich nur bedingt. Es hängt doch sehr von anderen Menschen ab, aber auch von der Form, in der Kunst rezipiert wird, vom Zeitgeist usf.


Was fehlt in der Kunst oder der Kunst? Was ist deiner Meinung nach das größte Problem des modernen „Kunstbetriebs“?

Wenn ich mich auf dem modernen Kunstbetrieb umgucke, fehlt mir eine Richtung oder ein Vorbild. Aber das ist wahrscheinlich nur subjektiv, vielleicht sehen andere eine Richtung oder haben Vorbilder. Ob der Kunst als solcher heute etwas fehlt, weiß ich nicht; ich habe ehrlich gestanden noch nicht den Einblick in den zeitgenössischen Kunstmarkt, um mir ein Urteil darüber anzumaßen.


Wie hast du vom Verstärker erfahren? Welche ähnlichen Projekte kennst du?
Vom Verstärker habe ich über die Seite von Sandra Uschtrin im Internet erfahren; ich nehme öfters an wohl vergleichbaren Wettbewerben teil, d.h. hauptsächlich Anthologien, die sich aus den Siegertexten eines Wettbewerbs zusammensetzen, bin aber noch mit keiner Zeitschrift in nähere Berührung gekommen, die ihre Texte ausschließlich aus Wettbewerben bezieht.


Kurzbiografie
Geboren am 07.08.1986 in Freiburg im Breisgau
Einschulung im September 1993 in Bad Homburg v.d.H.
Mai 2006 Abitur in Augsburg
Seit Oktober 2006 Student der Rechtswissenschaften in Freiburg im Breisgau
2006 und 2007: jeweils eine Kurzgeschichte veröffentlicht (in einer Anthologie und im Verstärker)
2008: bisher drei Kurzgeschichten veröffentlicht (April 2008), eine davon im Verstärker
im April: Teilnahme an der Verstärker-Lesung (meine erste öffentliche Lesung)
Kontakt: wen05(ätt)gmx.de
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