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Künstler-Portraits
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Geschrieben von Heike Hartmann-Heesch   
Saturday, 13. September 2008
Autorin:
Heike Hartmann-Heesch
Michael Hetzner
Autor
Preisträger der Version 21 mit „fiat luxus“

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Wie bist du zu „deiner Kunst“ gekommen?

Über das literaturwissenschaftliche Schreiben. Dann kamen einige schrecklich schlechte Geschichten, dann etwas bessere und so weiter.


Wann hast du deine erste Geschichte/dein erstes Gedicht geschrieben, dein erstes Musikstück komponiert oder dein erstes Bild gemalt? Kannst du dich an das Thema erinnern? Gab es einen besonderen Anlass?

Das war vor ca. 15 Jahren der Text "Saturday Night" (Discoparodie), der später dann vom Sender swr2 realisiert wurde. Ich habe ihn in einer Tschechendisco in einer Nacht vor ca. 15 Jahren geschrieben.


Hast du literarische/künstlerische Vorbilder?

Oh ja! Bohumil Hrabals "Die Bafler" und die "Bambini di Praga". Dazu den "Schwejk", die "Dubliners" von Joyce, Carver, Tschechow, die Krimis von Wolf Haas und von Kinky Friedman, Büchner, Faulkner, Kleist, Kafka


Welches Buch hast du zuletzt gelesen? (Welchen Film gesehen, welches Theaterstück oder welche Ausstellung, welches Konzert besucht?)

Buch: Zoran Feric: "Walt Disneys Mausefalle"
Film: "L.A. Confidential"


Hast du schon ein Buch veröffentlicht? Oder deine Werke ausgestellt, öffentlich vorgespielt/musiziert?

Mein letztes Buch habe ich als Theophil Veritas veröffentlicht: "Katholik Hitler. Über eine der Wurzeln von Adolfs Hitlers Wahnsystem". www.theophil-veritas.de.vu
Davor:

1991: Gestörtes Glück im Innenraum. Über Ehe und Familie bei Wilhelm Busch. Bielefeld 1991(Aisthesis).
1994: Identität im Umbruch. Wilhelm Buschs autobiographische Skizzen im Vorfeld der Moderne. Frankfurt/Main 1994 (Fischer).
1996: Ästhetische Textstruktur und Identität. Autobiographisch-literarische Texte als Interpretationsmuster von Bildungs- und Transformationsprozessen. Frankfurt, Zürich, New York 1996 (Lang).

1996: Saturday Night: Gesendet von SDR 2 Stuttgart.
2000: Franz K. 2000. Gedicht. In: Wilhelm-Busch-Preis 2000.
2002: Seltsame Erfindungen. Erzählung. In: Maskenball 34 Februar 2002.
2006: Jedwabne. Erzählung. In: Von vorne gesehen. Heimatgeschichten. Buchjournal bibliothek. Frankfurt/Main
2007: Ein altes Paar. Erzählung. In: Randmenschen. Edition Wendepunkt. Hrg. Von Betti Fichtl. Weiden.
2007: Tödliche Liebe. Kurzkrimi. In: Kurz Krimi Magazin. Meinerzhagen.

Dazu Texte zur Alltagskommunikation, Pädagogik, Musik- und Literaturwissenschaft.



Wie dringend brauchst du Feedback?

Gutes und kritisches Feedback: Immer!!!


Wenn du dich nicht künstlerisch betätigen dürftest, was würdest du stattdessen tun?

???


Wo arbeitest du? Brauchst du einen „festen“ Platz? Brauchst du bestimmte Rituale, z.B. bevor du anfängst zu schreiben?

Meist am Schreitisch, aber auch in der Bahn oder im Hotelzimmer. Bei mir geht’s: Hinsetzen, einschalten, fertig los.


Kannst du von deiner Kunst leben? (Wovon lebst du? Wie lebst du?)

Zum Glück habe ich einen Brotberuf: Projektmanager bei der Postbank. Es ist ein schönes Gefühl, wenn das Geld regelmäßig rein kommt.



Gibt es Prägungen aus deinem familiären Umfeld, die sich in deinen Werken zeigen? (z.B. bestimmte Personen, die auftauchen, vielleicht auch bestimmte Personen, die deinen künstlerischen Werdegang von Anfang an begleitet haben?)

Mein Großvater (mütterlicherseits) kam ursprünglich aus Wien. Er war ein großer Verehrer von Wilhelm Busch und Mozart.
Kann sein, dass das in späteren Jahren bei mir durchgeschlagen hat. Ich denke, da war auch noch etwas Slawisches im Blut, das raus kam, nachdem ich 1991ff immer wieder in die Tschechei gefahren bin und noch fahre.


Was inspiriert dich? (Welche inneren und äußeren Faktoren beeinflussen deine Kreativität positiv oder negativ?)

Spazieren gehen, in der Tschechei in der Kneipe und im Cafehaus sitzen. Vor mich hindösen. Andere Bücher: Zuletzt: Wolf Hass und Kinky Friedman.

Die Filme "Der Feuerwehrball", "Heimat, süße Heimat", die Filme über den "Größten Tschechen" (der allerdings nie gelebt hat - alles reine Erfindung) Jara Cimrman (von dem Duo Smolják / Sverák)


In welchem Kulturkreis bist du aufgewachsen? Inwieweit war das förderlich/hinderlich für deine Kunst?

Mein Elternhaus war eher schwäbisch-solide-bürgerlich. Zum Schreiben habe ich mich selbst irgendwie durchgewurstelt.


Welche fünf Adjektive charakterisieren dich überhaupt nicht?

ruhig, ausgeglichen, dumm, behäbig, gelassen


Gibt es drei „Dinge“, die du überhaupt nicht kannst?

Nicht nicht denken, stillsitzen, abschalten


Welche drei großen Träume möchtest du dir erfüllen?

Eine einzige Erzählung à la Hrabal / Lenz / Joyce / Faulkner / Kafka / Kleist schreiben;
Mozarts Requiem dirigieren; gaaanz ruhig und gelassen werden; Beethovens Violinkonzert konzertreif spielen und bis drei zählen können...


Hast du ein Lieblingszitat, -spruch, Vers oder Buch, welches vielleicht zum Wahlspruch, Lebensmotto geworden ist?

"Schwejk": "Der Mensch möcht ein Gigant sein, aber ist bloß ein Dreck, Kamerad."



Fragen zum Thema „Kunst“ (allgemein):

Was ist für dich Qualität? Gibt es für dich objektive Maßstäbe, um die Qualität von Kunst zu beurteilen?

In sich stimmige Werke wie Kafkas "Der Kübelreiter" oder Faulkners "Eine Rose für Emily". Kein Wort zuviel, keines zu wenig, alles kommt aus der absolut konsequenten Entwicklung der Figuren und passt wie ein Schlüssel in ein Sicherheitsschloss.


Was fehlt in der Kunst oder der Kunst? Was ist deiner Meinung nach das größte Problem des modernen „Kunstbetriebs“?

Zu wenig Überarbeitung, Überarbeitung, Überarbeitung. Vieles wird zu schnell hin geklatscht oder ist zu populistisch.


Wie hast du vom Verstärker erfahren? Welche ähnlichen Projekte kennst du?
Vom "Newsletter" der Sandra Uschtrin. Und von "The Tempest"



Michael, vielen Dank für dieses Interview!

Heike Hartmann-Heesch



Michael Hetzner, Jahrgang 1955, studierte Deutsch, Musikerziehung und Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg; anschließend Studium der Fächer Germanistik und Pädagogik sowie 1990 Promotion zu Dr. phil an der Universität Stuttgart. 1995 Promotion zum Dr. paed. Veröffentlichungen: Gestörtes Glück im Innenraum. Über Ehe und Familie bei Wilhelm Busch (1991); Identiät im Umbruch. Wilhelm Buschs autobiographische Skizzen im Vorfeld der Moderne (1994), Ästhetische Textstruktur und Identität. Autobiographisch-literarische Texte als Interpretationsmuster von Bildungs- und Transformationsprozessen (1996), Aufsätze zur Alltagskommunikation, Literaturwissenschaft und Pädagogik. Hinzu kommen Veröffentlichungen von Erzählungen und ein Rundfunktext.
Er arbeitet heute als Berater und Coach bei einer großen deutschen Bank.
Seine Hobbys sind: Lesen, Schreiben, Malen und Spazieren gehen.
Kontakt: michael(ät)hetzner-online.de


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