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Buch: "Eintritt frei für Männer" - Wolfgang Gogolin PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 16
SchlechtSehr gut 
Geschrieben von Karsten Mekelburg   
Tuesday, 6. January 2009

gogolin.jpgEs gibt Dinge, über die man einfach nicht redet. Es gibt Themen, über die man einfach nicht schreibt. Und es gibt Autoren, die sich einfach nicht an diese goldene Regeln halten. Wolfgang Gogolin ist so frei. Bereits mit seinem ersten Roman „Der Puppenkasper“ hat er einen unbedarften jungen Vater heftig mit der feministischen Realität zusammenprasseln lassen. Wo Bestsellerautorinnen Bücher über tolle Frauen schreiben, die ihre trottelige Männer reihenweise abstoßen, schreibt hier jemand aus der Sicht einen Mannes, dessen Probleme eine deutlich weniger freundliche Aufnahme durch die Allgemeinheit finden. Es endet schlecht, haufenweise weibliche Wesen werden gemordet, sogar Aquarienfische kommen ums Leben. Ich haben weinen müssen bei diesem brutalen Ende.
Nach zwei erfolgreichen Abstechern in Satire, Humor und Kurzgeschichte widmet sich Gogolin wieder diesem Thema. Der Puppenkasper hatte seine ruchlosen Taten in der Haft abgebrummt, baut einen Verkehrsunfall und träumt im Krankenhaus still vor sich hin. Und wovon träumen Männer? Sicher – von Frauen. Unser Held besitzt die Unverschämtheit, sich ein irgendwie geartetes gleichberechtigtes Leben zu erträumen. Eine Gesellschaft, in der Männer nicht mehr das politische unkorrekte Geschlecht sind. Das können nur Träume sein, denn in der Realität würden gut dressierte Männer solche Abscheulichkeiten nie zu denken wagen.
Dass dieses Buch irgendwie harmlos ist, kann ich nicht bestätigen. Zwar werden keinem Fischlein eine Gräte gekrümmt und keiner Dame auch nur die frisch ondulierten Löckchen in Unordnung gebracht. Aber dafür macht man gleich dem ganzen Feminismus den Garaus. Das ist der Punkt, wo die Kritik einhaken darf. Zu einseitig werden ausschließlich die Monster der emanzipatorischen Bewegung wie Dworkin und Solana hervorgekramt. Doch diese extrem aggressive Richtung, die massives Unrecht gegen Männer bis hin zum Männerhass gepredigt hat, war lange Zeit typisch für die Bewegung.
Die klare Position empfinde ich als absolute Stärke des Buches. Natürlich könnte man jetzt sagen, dass die Frauenbewegung Gutes bewirkt hat, dass nahezu alle Frauen heute arbeiten wollen, um in der Arbeit auch ihre Bestätigung zu finden. Doch der Autor wollte keinen ausgewogenen Diskurs führen, keine saubere und detailgenaue Auflistung der Pros und Kontras. Dies ist Polemik, hier geht es darum aufzurütteln, bewusst zu machen und Missstände einmal auf den Punkt zu bringen. Gogolin spitzt erbarmungslos zu, das ist die Aufgabe guter Literatur! Denn es bleiben gesellschaftlich relevante Fragen unbeantwortet, wie: "Wer kümmert sich um die Kinder?" "Wie sollen Mann und Frau in Zukunft zusammen leben?" Und die Fragen drängen immer stärker. Die Hälfte aller Ehen scheitert heute, in 80% aller Fälle reicht die Frau die Scheidung ein. Sind allein diese Zahlen denn nicht alarmierend genug? Ein tolles Buch, das uns endlich eine Diskussion dieser Themen bringt, eine neue Sicht, eine männliche Sicht. Es wird höchste Zeit dafür.

 

 

 Wolfgang Gogolin, Eintritt frei für Männer, Pauerstoff Verlag, Hamburg, 2008, gogolin.jpgISBN 978-3-9810113-4-0