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Buch: Hermann Kinder "Kina Kina" PDF Drucken E-Mail
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SchlechtSehr gut 
Geschrieben von Sven-Andre Dreyer   
Sunday, 18. January 2009
 
hermann_kinder__kina_kina.jpgDa sitzt er auf seinen gepackten Koffern, Johann Andermatt, Germanist und Literaturwissenschaftler, und wartet darauf, dass es endlich los geht. Ihm steht eine Reise nach China bevor, er soll dort Deutsch unterrichten - und nutzt diese Chance, hinaus aus dem deutschen Universitätsalltag, hinein in Unbekanntes, in Fremdes. Und wie unbekannt, und wie fremd ihm dieses China ist, lässt Kinder den Leser seines schlanken Bildungsromans durch kluge, durch mitunter schräge, durch Hermann Kinder typische Schilderungen miterleben. Der Leser wundert sich mit Andermatt, amüsiert sich mit Andermatt, ekelt sich und staunt gemeinsam mit Andermatt, diesem Deutschen, diesem dort in China so fremden, so deplatzierten Andermatt. Er wird nicht müde seine Erlebnisse, seine Beobachtungen zu schildern, referierend vor chinesischen Schülern und deren Eigenarten, auf seinen privaten Ausflügen durch China und schließlich einer zart wachsenden Freundschaft zwischen Andermatt und Wang, dem chinesischen Kollegen. Und plötzlich erwächst aus Andermatts anfänglicher Vorsicht, aus seinen Ressentiments, aus seiner Skepsis eine Neugier, die ihn die spannende Erfahrung der Andersartigkeit der chinesischen Kultur erkennen, spüren, erleben lässt. Als es für Johann Andermatt schließlich heißt Abschied zu nehmen, da ist man als Leser ganz bei ihm und will ihn nicht gehen lassen, will mit ihm China tiefer erkunden, will mehr sehen von diesem chinesischen Leben und weiter durch die Augen Andermatts in dieses fremde Land blicken. Aber er reist zurück - und erfährt, durch seine Erlebnisse in der Ferne geprägt, in seiner Heimat plötzlich eine ihm neue, nie bekannte Fremde. Der 1944 in Thorn geborene Hermann Kinder, aufgewachsen in Münster, studierte deutsche und niederländische Philologie und lehrt in Konstanz Germanistik und Literatursoziologie. Kinder veröffentlicht seit 1977 (u.a. Der Schleiftrog, 1977, Vom Schweinemut der Zeit, 1980 und Himmelhohes Krähengeschrei, 2000) und zeichnet sich durch feinste Beobachtungen und sensible Wahrnehmung aus. Er spielt mit wunderbaren literarischen Kombinationen und versteht es ausgezeichnet die für den Leser neuen Erkenntnisse zugleich in neue, nie gelesene Sätze zu gießen.
Somit macht beides Spaß: die Geschichte und die Außergewöhnlichkeit seiner Sprache.
 
Hermann Kinder: Kina Kina
Libelle Verlag
Lengwil am Bodensee, Schweiz
ISBN 3-909081-86-X
 
sad, Januar 2009