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Buch: „Mieses Karma“ von David Safier PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 5
SchlechtSehr gut 
Geschrieben von Heike Hartmann-Heesch   
Tuesday, 10. March 2009
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Was eignet sich besser als Mitbringsel für einen Krankenhausbesuch bei einer Freundin, der es gelinde gesagt nicht wirklich gut geht? Richtig, der Roman „Mieses Karma“ von David Safier.

Das hat auch nix mit Zynismus zu tun, weil es einfach ein von der Idee her ziemlich schräges Buch ist und dazu äußerst spritzig geschrieben. Es ist von einem irren Humor geprägt, der manchmal in banale Albernheit umspringt, aber darüber liest sich großzügig hinweg, weil man spätestens drei Seiten weiter doch wieder laut auflachen kann.


Die Story ist so kurios wie simpel (aber die Idee muss man erstmal haben!): Nichts hat sich Fernsehmoderatorin Kim sehnlicher gewünscht, als endlich den Deutschen Fernsehpreis zu gewinnen. Dafür hat sie viel „geopfert“: Tochter Lilly vernachlässigt, Ehe aufs Spiel gesetzt und na ja, Sie wissen schon, was. Nun jedoch hält sie den Fernsehpreis in den Händen. Dumm nur, dass sie noch am selben Abend, als sie für ein paar Minuten allein auf dem Dachgarten ihres Hotels steht, von den Trümmern (dem Waschbecken, um genau zu sein) einer veralteten russischen Raumstation erschlagen wird, die just an diesem Abend in die Erdatmosphäre geleitet wird, um dort zu verglühen. Bloß dass sich die Kontrollzentrumsingenieure in der Berechnung des Einfallswinkels vertan haben. So verglühen nur 98% der Raumstation, die restlichen 2% landen als Trümmer über Nordeuropa. Und das vermaledeite Waschbecken eben auf Kims Kopf. Nun ist sie tot, was an sich ja schon schlimm genug wäre, aber im Jenseits erfährt sie, dass sie in ihrem nur etwas über 30jährigen Leben doch ziemlich ziemlich ziemlich viel mieses Karma gesammelt hat. Da ist nix mit sofortiger Aufnahme ins Nirvana, Paradies oder wo auch immer. Kim findet sich in einem Erdloch wieder, mit einem richtig fetten Po (schlimmer als zu Menschenlebzeiten), mit sechs Beinen und Fühlern – sprich: als Ameise. Und nicht einmal als Königin, sondern als gemeine Arbeiterin.

Das, nun ja, das geht nicht an, beschließt sie, befreundet sich mit dem ebenfalls als Ameise (genauer gesagt in seinem 115. oder so Leben) wiedergeborenen Giacomo Girolamo Casanova (dessen eigene Betrachtungen der ganzen Geschichte im Übrigen als Fußnoten in den Roman einfließen) und genauso wenig geht es an, dass sich ihr Mann mit ihrer einstmals besten Freundin tröstet und ihrer Tochter die Mama fehlt.

Es gibt nur einen Ausweg: Gutes Karma ansammeln, weiter, wieder sterben und die Reinkarnationsleiter wieder hochklettern!


Mehr gibt’s nicht zu schreiben.

Dies Buch ist sehr leichte Kost, aber dabei definitiv eines der witzigsten, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Genau das richtige Mitbringsel gewesen. Es wird Ihnen sicher auch dann gefallen, wenn Sie selbst nicht an Gott oder Buddha oder sonst wen glauben und erst recht nicht an Wiedergeburt.

Auf der anderen Seite: Es kann ja nicht schaden, noch mal sein eigenes Leben ein klein bisschen zu überdenken und, rein prophylaktisch, vielleicht doch noch ein bisschen gutes Karma anzusammeln. Nur für den Fall, dass … Wie das geht? Nun, auch das verrät Ihnen das Buch. In dieser Hinsicht also nicht nur ein witzig-albernes Buch sondern auch ein weises.


Aber vielleicht weiß Autor Safier, geb. 1966 und bekannt durch seine Drehbücher zu TV-Serien wie „Berlin, Berlin“, „Mein Leben und ich“ oder auch „Nikola“, wovon er spricht. Neben dem Grimme-Preis hielt er übrigens den Deutschen Fernsehpreis auch schon in seinen Händen …

Viel Freude.


Safier, David, „Mieses Karma“, (hier): Rowohlt Taschenbuch, 14. Auflage 2009, Reinbek bei Hamburg, ISBN 978-3-499-24455-1, € 8,95


hhh, 03-08