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Buch: Max von der Grün - Die Lawine PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 17
SchlechtSehr gut 
Geschrieben von Sven-Andre Dreyer   
Tuesday, 7. December 2010
 
max_von_der_grn__die_lawine.jpgMax von der Grün – Die Lawine

Der Roman „Die Lawine“ von Max von der Grün erzählt die Geschichte der Familie Böhmer, einer Industriellenfamilie aus dem Ruhrgebiet. Als Heinrich Böhmer, Vorstand der Böhmer-Elektromotoren-Werke, auf dubiose Weise ums Leben kommt, werden die Angehörigen Böhmers und die Belegschaft der Böhmer Werke mit einer außergewöhnlichen Aufgabe konfrontiert: Der Unternehmer hat kurz vor seinem Tode testamentarisch festgelegt, dass die Firma an seine Mitarbeiter vererbt werden soll. Sein ärgster Widersacher, der Betriebsratsvorsitzende Schneider, schlüpft nun in die Rolle des Unternehmers und muss, kaum Vorstand geworden, feststellen, dass harte Einschnitte notwendig sind, um die Firma zu retten. Max von der Grün, 1926 in Bayreuth geboren, lebte seit den 1950er Jahren selbst im Ruhrgebiet und gilt als Verfasser kurzweiliger Bücher, die Aufzeichnungen seiner Erlebniswelt im Ruhrgebiet darstellen. Er verbindet in seinem Roman „Die Lawine“ die spannende Aufklärung des Todes Heinrich Böhmers geschickt mit der Frage, ob ein von Mitarbeitern gemeinschaftlich verwalteter Betrieb in der kapitalistisch geprägten Bundesrepublik der 1980er Jahre möglich ist. Immer wieder versuchen Neider und Konkurrenten den fast kommunistischen Gedanken der Unternehmensführung zu torpedieren und somit wirkt der Roman heute aktueller denn je. Von der Grün, ausgezeichnet mit diversen Literaturpreisen und Verfasser u.a. der Romane „Flächenbrand“ und „Späte Liebe“, wurde Mitte der 1970er Jahre einem größeren Publikum durch seinen Jugendroman „Die Vorstadtkrokodile“ bekannt. Ohne allzu hohen literarischen Anspruch zu haben, schaffte von der Grün Romane, in denen gesellschaftliche Aspekte, hauptsächlich der Arbeiterbewegung, erfasst und detailliert betrachtet wurden. Er war ein unbequemer Schriftsteller, ein politischer dazu. Sein gesellschaftspolitisches Engagement brachte dem Autor nicht selten den Ruf des Schwarzmalers ein, der Heuchelei und Bigotterie verabscheute. Unangepasst blieb er Zeit seines Lebens ein Einzelgänger, der oft genug unverblümt seine Meinung kundtat. Max von der Grün verstarb 2005 in Dortmund. Im Rahmen einer Werkausgabe erscheinen 2010/2011 zehn seiner zum Teil vergriffenen Romane und Erzählungen mit Förderung der Kunststiftung NRW im Pendragon Verlag Bielefeld.



Max von der Grün: Die Lawine

Roman
Herausgegeben von Günther Butkus,
mit einem Nachwort von Rüdiger Scholz
Pendragon Verlag, Bielefeld 2010,
ISBN 978-3-86532-141-1
372 Seiten, gebunden,
22,90 Euro inkl. gesetzl. MwSt.

sad, Dezember 2010