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Buch: Heinz Rudolf Kunze - Vor Gebrauch schütteln PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 10
SchlechtSehr gut 
Geschrieben von Sven-Andre Dreyer   
Thursday, 29. September 2011
 

heinz-rudolf_kunze_-_vor_gebrauch_schtteln.jpgHeinz Rudolf Kunze – Vor Gebrauch schütteln

Da liegt es vor mir, das neue und lang erwartete literarische Werk „Vor Gebrauch schütteln“ von Heinz Rudolf Kunze. Heinz Rudolf Kunze, der Umtriebige des etablierten deutschen Kulturbetriebs - Schriftsteller, Rocksänger, Musicaltexter/-übersetzer und Dozent der Hochschule Osnabrück. Und gleich der Umschlag des Buches empfängt mich mit zwei für Kunze typischen Merkmalen: Der Untertitel „Kein Roman“ lässt erahnen, dass der Querdenker Kunze – auf dieses Attribut ist er stolz – wieder einmal, diesmal rein literarisch, zugeschlagen hat. Zum anderen ist auf dem Umschlag die für Kunze seit Jahren als untrügliches Erkennungszeichen dienende Ray-Ban abgebildet. Ich hege Hoffnung: Sollte Heinz Rudolf Kunze, den ich viele Jahre für seine poetisch-literarische Arbeit geschätzt habe, aus dem Schlagerland zurück sein?

Kunze, 1956 in Espelkamp geboren und mit bislang 34(!) veröffentlichten Alben als einer der fleißigsten deutschen Musiker zu bezeichnen, arbeitet in „Vor Gebrauch schütteln“ mit dem Protagonisten Trubschacher, der mal als Kunzes Alter Ego, mal als eigenständiger Charakter fungiert und auftritt. Trubschacher ist ein Mann, der gern Direktor eines Museums wäre, das grundsätzlich für Publikum geschlossen bleibt. Und an genau dieser Stelle betreten wir den mitunter genialen Kosmos Kunzes. Wie bereits in den Songtexten seiner frühen Stücke, so glänzt Kunze auch in seinem aktuellen literarischen Werk mit detaillierten Betrachtungen seiner Umwelt. Er teilt, und dafür liebe ich ihn, mächtig aus, wenn er in kurzen Bemerkungen, ähnlich der Konstruktion von Aphorismen, über die Musikszene, den Kunst- und Kulturbetrieb und nicht zuletzt den ganz normalen Wahnsinn zwischenmenschlicher Beziehungen schreibt.

Mit als durchaus poetisch zu betrachtenden kurzen sprachlichen Auftritten gelingen Kunze sagenhafte und tiefgehende Beobachtungen, die seine Sprachvirtuosität einmal mehr bestätigen und hervorheben. Dass Trubschacher alias HRK mitunter polemisch seine musikalische Ansichten, so z.B. die besten Solomusiker und Bands, aufführt, sei ihm verziehen. Auch wenn ich bei Nennung (und Glorifizierung) der Musiker und Bands grundsätzlich mit seiner Meinung d’accord gehe, so frage ich mich dennoch, ob er grundsätzlich für Neues aufgeschlossen ist (denn auch viele junge Musiker haben meiner Meinung nach bereits den Status dieser von ihm genannten Größen erreicht)? Zudem befürchte ich, dass durch Repetieren der immer gleichen Namen die Kritiker, die durchaus anderer Meinung sind, tatsächlich überzeugt werden können – und müssen. Manchmal tut es auch einfach mal gut, das Werk des großartigen Musikers und Literaten HRK ohne biographische und inspirierende Hintergründe zu betrachten, denn einflussreich war und ist er unbestritten ohnehin.

Für Heinz Rudolf Kunze ist das Erscheinungsjahr seines Buches „Vor Gebrauch schütteln“ übrigens kein Jahr wie jedes andere: Sein 30jähriges Bühnenjubiläum feierte der Musiker im Frühjahr 2011 mit einem neuen Album und einer Tournee. Seine Lesereise begann mit Erscheinen des Buches, das in wunderbarer Gestaltung im Berliner Aufbau-Verlag erschien und damit einen genialen Schulterschluss symbolisiert: Ein großartiger Verlag veröffentlicht das sprachlich herausragende Werk eines großartigen Künstlers.

Und das Ganze ist, wie ich nun schon mehrfach sagte, einfach großartig!

 

Heinz Rudolf Kunze – Vor Gebrauch schütteln

Kein Roman,

aufbau Verlag, 1. Aufl. August 2011,

ISBN 978-3-351-03363-7

272 Seiten, gebunden,

18,99 Euro inkl. gesetzl. MwSt.

 

sad, September 2011