Die aktuelle Ausgabe    
des Verstärkers -    
Auszüge jetzt    

hier!    
Kowalski
Kowalski PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 1
SchlechtSehr gut 
Geschrieben von snake   
Saturday, 15. July 2006
Kowalski
 
Ich saß gerade auf der Toilette und las mein Buch. Da klingelte es und ich dachte: "Nicht einmal in Ruhe seinen dringlichsten menschlichen Bedürfnissen lassen diese Menschen einen nachkommen." Darauf, dass der Störenfried sich baldigst verzöge hoffte ich, doch er besaß nicht den Takt zu vermuten, ich sei aushäusig. So denn, er klingelte Sturm und verleidete mir mein Geschäft, welches ich stets mit vollster Hingabe in die Länge zu ziehen Pflege, da es mir die wohl verdiente Ruhepause in dem hektischen Alltagsgeschäft ist, die ich mir von niemandem verleiden lassen möchte.
Dieser Mensch, welcher sich anschickte mich nachhaltig in meinem Genusse zu stören, blieb hartnäckig. "Wohlan!" sprach ich. Aufgestanden - abgeputzt - gespült und sorgsamst gebürstet - nocheinmal nachgespült - ich hub an, dem nachhaltigen Klingler nun die Stirn zu bieten. Den Hörer in der Hand fragte ich, höflich aber reserviert: "Wer stört mich in dringenden Geschäften?" - "Der Kowalski ist's. Treuer Freund, Du musst mich einlassen. Um des lieben Herrn Jesus willen, die Kälte sie bringt mich um."
Eine Last drückte auf meine Brust und ich antwortete nicht sogleich. Kowalski hat mich schon so manches Mal von meinem Geschäft ferngehalten und ich nahm ihm so manche darauf folgende Verstopfung sehr übel. Doch die christliche Nächstenliebe erbat er sich aus, so blieb mir nichts anderes übrig als den Summer zu betätigen und Kowalski Einlass zu gewähren.
Atemlos erklomm er die Stufen, stand vor mir, wir starrten uns einen Moment lang in die Augen, dann brach er vor mir zusammen und flehte: "Liebster Freund, es ist geschehen. Du tatest gut daran mich zu warnen - allein, des tiefen Dranges mich zu bewähren folgte mein ganzes Trachten. Nun bitte nimm diese Entschuldigung an und gewähre mir einen Aufenthalt auf deinem Abort." Einen derartigen Gefühlsausbruch von Kowalski nicht gewohnt, ja bestürzt und angewiedert zugleich sah ich mich nicht in der Lage es ihm zu verwehren und ließ ihn ein.
Selbstverständlich konnte ich ihm nicht den Wunsch abschlagen, eines meiner Küchenmesser zu benutzen doch helfen, dass konnte ich ihm bei aller Nächstenliebe nun doch nicht. Ich wünschte mir, die letzte Konsequenz seiner damaligen Sibirienreise sei Wahrheit geworden, doch nein, die ledigliche Manie seiner unfassbaren Geschäftsführung hat daraus resultiert. Und ich, Verwalter und Prokurist seiner unsauberen Verrichtungen sah mich stets auf's neu damit konfrontiert. Denn wer immer auch Kowalski schätzt, sollte nie Sibirien vergessen und was wirklich geschah!
 
snake